Folsäure oder 5-MTHF: warum die Form der B9 entscheidend ist
Viele Menschen supplementieren Vitamin B9, ohne den erwarteten Nutzen zu erzielen. Der Grund liegt in einer einfachen, selten erklärten biochemischen Realität: Es gibt mehrere Formen dieses Vitamins, und nicht alle sind gleichwertig.
Folat und Folsäure: zwei verschiedene Moleküle
Diese beiden Begriffe werden oft synonym verwendet; sie bezeichnen jedoch zwei unterschiedliche chemische Realitäten.
Folat bezeichnet die natürliche Form, die in grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Leber vorkommt. Nach der Aufnahme wandelt der Organismus es in mehrere aktive Formen um, deren wichtigste das 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF oder Levomefolat) ist. Folsäure hingegen ist die in den 1940er-Jahren entwickelte synthetische Form. Sie wird in der großen Mehrheit der gängigen Nahrungsergänzungsmittel und in den in einigen Ländern praktizierten Programmen zur obligatorischen Mehlanreicherung verwendet.
Damit Folsäure von den Zellen genutzt werden kann, muss sie vier enzymatische Umwandlungsschritte durchlaufen; der letzte wird durch das Enzym MTHFR (Methylentetrahydrofolat-Reduktase) katalysiert.
Der MTHFR-Polymorphismus
Etwa 40 % der Bevölkerung tragen mindestens einen Polymorphismus des MTHFR-Gens (die am besten untersuchten Varianten sind C677T und A1298C). Dieser Polymorphismus reduziert die Enzymaktivität messbar: um etwa 30 % bei heterozygoten und um 60 bis 70 % bei homozygoten Trägern.
Bei diesen Personen wird die synthetische Folsäure nur teilweise umgewandelt; der Rest zirkuliert als UMFA (nicht metabolisierte Folsäure), eine inaktive Fraktion ohne dokumentierte physiologische Wirkung. Die Supplementierung verliert dadurch einen erheblichen Teil ihrer funktionellen Relevanz.
Die biologischen Funktionen von 5-MTHF
5-MTHF ist der zentrale Methylgruppen-Donor mehrerer grundlegender Prozesse: die Synthese von Neurotransmittern (Serotonin, Dopamin); die Remethylierung von Homocystein zu Methionin, die das kardiovaskuläre und kognitive Risiko mitbestimmt; die Zellreplikation und DNA-Reparatur; die Bildung roter Blutkörperchen und die Bindung von Eisen an das Hämoglobin; die Entwicklung des Neuralrohrs im ersten Schwangerschaftstrimester.
Eine unzureichende Methylierung kann sich durch anhaltende Müdigkeit, einen verlangsamten mentalen Zustand, eine instabile Stimmung oder einen erhöhten Homocysteinwert im Blutbild äußern. Diese Anzeichen verdienen eine Beurteilung durch eine in Mikronährstofftherapie oder orthomolekularer Medizin kompetente Fachperson.
5-MTHF: die direkt aktive Form
5-MTHF ist die biologisch aktive Form des Folats. Es wird von allen Zellen direkt aufgenommen, ohne Abhängigkeit vom Enzym MTHFR. Seine funktionellen Vorteile sind dokumentiert: genotypunabhängige Aufnahme, Fehlen einer nicht metabolisierten Fraktion, Wirksamkeit bei Trägern des Polymorphismus und ein effizienterer Plazentaübergang als bei synthetischer Folsäure.
Folsäuremangel: die Zeichen
Ein Folsäuremangel gehört zu den häufigsten Vitamindefiziten. Typische Zeichen: anhaltende Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsprobleme, eine gereizte Stimmung und ein erhöhter Homocysteinwert; im Blutbild fällt er klassisch durch vergrösserte rote Blutkörperchen auf. Wichtig: Folat und Vitamin B12 arbeiten am selben Enzym. Aktives Folat kann das Blutbild eines B12-Mangels korrigieren, ohne die Ursache zu beheben; die beiden Werte gehören darum zusammen beurteilt (siehe Vitamin B12 ab 50). Folat trägt zur normalen Blutbildung, zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel und zur Verringerung von Müdigkeit bei.
Folsäure: für was eigentlich?
Folat (Vitamin B9) trägt zur normalen Zellteilung und zur Verringerung von Müdigkeit bei. Entscheidend ist, in welcher Form das B9 vorliegt.